Erfahrungsbericht einer Kinderbehandlung nach dem Gelsenkirchener Behandlungsverfahren
von Martin )*
Erfurt, 4.9.2000
Liebe Frau Braun,
nachdem wir Ihren Brief erhalten haben, möchte ich Ihrer Bitte nachkommen und aus meiner persönlichen Sicht ein paar Worte verlieren. Viel passiert ist ja, seitdem wir uns das letzte Mal gesehen haben...
Im Mai 1999 war meine Frau mit Fritz )* das erste Mal in Gelsenkirchen. Er hatte Neurodermitis und galt als hyperaktiv. Dort vertiefte sie sich in die Details des „Gelsenkirchener Konzeptes", welches sie im Vorfeld schon kannte und sich von da an auch damit anfreundete - als Gegensatz zu all den „üblichen" Behandlungsmethoden. Ein wichtiger Punkt war für sie, neben der Ernährung damals schon das autogene Training. Fritz )* erholte sich bereits in Gelsenkirchen und war viele Monate beschwerdefrei. Meine Frau erklärte mir das Konzept und versuchte auch mich dazu zu bringen, das autogene Training mitzumachen. Nur wollte ich nicht so. Für mich war das damals nur „Weiberkram.."
Man ging zur Tagesordnung über..., bis ich unter sehr unschönen Umständen meine Arbeit verlor. Durch diese Umstände, ein Wohnungsumzug fiel ebenfalls in diese Zeit, bekam Fritz )*einen Rückfall. Erschwerend kam hinzu, daß sich Fritz )* diesmal häufig blutig kratzte, was er vorher nie tat. Eine Erfahrung, die uns mächtig zusetzte, zumal uns Leute aus dem Umfeld (Kindergarten, Kinderärztin) oft anfangs versteckt, zum Schluss sehr offen kritisierten und deutliche Zweifel am Gelsenkirchener Konzept äußerten. Es fiel zum Schluss sogar das Wort Kindesmisshandlung, wenn wir dieses Konzept weiter durchziehen und uns weigern würden, Fettcremes und Cortison zu benutzen. Diese Situation ließ mich immer fahriger, oft auch unbeherrschter werden.
Das autogene Training hatte ich bis zu diesem Zeitpunkt für mich ja immer abgelehnt. Da meine Frau es von Anbeginn praktizierte, wurde die Entfremdung zwischen uns beiden immer größer. Ihre Ruhe, meine Fahrigkeit, das sich immer mehr aufschaukelnde Kontrollverhalten wegen der blutig gekratzten Arm‑ und Kniebeugen, vor meinem Auge schon wieder die Blicke der Kindergärtnerinnen, wenn ich einen zerkratzten Fritz )* abgab... das konnte nicht gut gehen. Nach einem besonders schlimmen Wochenende beschlossen wir die Flucht nach vorn. Ich begann nun doch mit dem autogenen Training. Meine Frau organisierte die kurzfristige Aufnahme in der Kinderklinik Gelsenkirchen und ich kam dieses Mal mit.
Ab dem Zeitpunkt, an dem dieser Termin feststand, besserte sich Fritz )* Zustand schlagartig. Ich sehe das Bild noch vor mir. Dr. Faust stand bei seinem Vortrag an der Tafel, Fritz )* lief nach vorn, streifte die Ärmel hoch und zeigte ihm stolz seine ausgeheilte Armbeuge.
Insgesamt taten mir vor allem die Gespräche mit Herrn Langer, Frau Grühn und Frau Braun sehr gut. Für mich war klar, daß ich mit diesem autogenen Training auch nicht wieder aufhören würde.
Was Fritz )* Neurodermitis angeht, bin ich der Ansicht, Heilung bedeutet nicht unbedingt, daß sich nun überhaupt kein Flecken mehr auf seiner Haut zeigt. Es kommt immer mal wieder vor, daß da doch wieder was zu sehen ist. Das ist gar nicht der Punkt. Viel wichtiger für uns ist, daß dieser unselige Teufelskreis der gegenseitigen Kontrolle (kratzt er wieder, ist da auch ja kein Fleckchen) ein Ende hat, daß er gesundheitlich sehr stabil geworden ist, vor allem aber, daß eine gewisse Gelassenheit eingezogen ist, die er sehr wohl wahrgenommen hat. Ich selbst habe die Veränderung übrigens gar nicht so wahrgenommen. Meine Frau sagte mir gelegentlich, daß ich in vergleichbaren Situationen ein halbes Jahr vorher schon wieder explodiert wäre, nun aber eher mit den Achseln zucke... wenn das kein Plädoyer an die Väter ist...
Entspannung tut jedem gut. Diese 20 Minuten sollte man durchaus aufbringen. Das freche Spitzbubengrinsen eines kerngesunden stabilen dreijährigen Pfiffikus ist allemal Ansporn genug, persönlich alles zu tun, daß sich solche Zeiten so nie wiederholen...
Liebe Grüße, vielen Dank für alles
Martin )*
)* Namen wurden bewußt geändert
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